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Turkvölker

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{{Neutralität}} Bild:Sprachfamilien der Welt (non Altai).png    ) neben den anderen Sprachfamilien der Welt.html" title="thumb|350px|Turksprachen (   ) neben den anderen Sprachfamilien der Welt">thumb|350px|Turksprachen (   ) neben den anderen Sprachfamilien der Welt Die '''Turkvölker''' sind eine vor allem im Eurasien eurasischen Großraum lebende und Turksprachen sprechende Völkergruppe. In unterschiedlicher Ausprägung teilen diese historische und kulturelle Eigenschaften. Die schätzungsweise 200 Millionen Tagesspiegel: ''Türkei umwirbt Zentralasien Ankara strebt „Allianz der Turk-Staaten“ an'' [http://www.tagesspiegel.de/politik/archiv/28.11.2006/2926991.asp] Angehörigen der turkischen Völkerfamilie leben heute in Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Türkei, Turkmenistan und Usbekistan und weiteren Turkstaat turkischen Staatsgebilden. Trotz der weiträumigen Besiedlung bestehen zwischen den einzelnen Turkstaaten und Turkvölkern kulturelle und historische Gemeinsamkeiten, die größte stellt die Sprache dar: Das Türkisch der Türkei steht dem der meisten Turkvölker sehr nahe. Die Turksprachen gehören dem Sprachbund der Altaische Sprachen altaischen Sprachen an, der früher auch als Sprachfamilie angesehen wurde. Die im 19. Jahrhundert entstandene politische und kulturelle Bewegung, die auf die Gemeinsamkeit der Turkvölker zielt, heißt Panturkismus. Die Wissenschaft, die sich mit den Sprachen, der Geschichte und den Kulturen der Turkvölker beschäftigt, ist die Turkologie.

Etymologie Turk-/Türk-
„Türke“ ist ursprünglich der Name eines Nomadenvolkes, das im 5. Jahrhundert zwischen Irtysch, Oghusen und Jenissei entstand und von den Han-Chinesen Chinesen ''T'u-chueh'', ''Tu-küe'' oder ''Turkuten Tür-küt'' genannt wurde, der so viel bedeutet wie „die Mächtigen“. Offensichtlich haben die Hsiung-nu oder Hunnen bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. im Norden und Westen Chinas gelebt und ziemlich früh die Steppen bis zum Kaspisches Meer Kaspischen Meer und zum Ural (Gebirge) Ural besiedelt. Ihre Geschichte, die sich bis 1800 vor Christus zurückverfolgen lässt, ist unter Geschichte Chinas Chinesische Geschichte zu finden. Der Terminus Türke wurde zum ersten Mal als offizielle Bezeichnung im 6. Jahrhundert nach Christus verwendet. Sie beschrieb den politischen Staat der Göktürken. Die Etymologie des Wortes Türk ist unklar. Die Wissenschaft bezeichnet die frühen Türken vor der Zeit von 552 nach Christus als ''gök türk'' (Himmelstürk(en) bzw. Blau-Türk(en)) aber auch ''kök türk'' (Grund/Wurzel/Basis Türke(n)).vgl. [http://www.zentralasienforschung.de/KoekTuerken.PDF M. Weiers: Kök-Türken, 1998 (PDF)] Das Wort „Türke“ bildete früher einen Sammelnamen für die turksprachigen Steppenvölker.vgl. U. Klever, 1978, Seite 7 Im 19. Jahrhundert wurden die heutigen Turkvölker vereinfacht nur als „Türken“ oder auch gröber als „türkische Völker“ zusammengefasst. In den turksprachigen Staaten, autonomen Republiken und Regionen wird jedoch aus verschiedenen Gründen immer noch der Oberbegriff „Türken“ verwendet. Viele Sprachen, z. B. die englische, besitzen kein „ü“, und die Unterscheidung zwischen den Wortstämmen „Turk-“ und „Türk-“ erfolgt mit anderen sprachlichen Mitteln. Die Oberbezeichnungen mit „ü“ gehen auf die Tatsache zurück, dass es sich um die Nachfahren der Alttürken handelt. Als Alternativbezeichnungen sind auch „Türkvölker“, „Türkische Völker“, „Turktataren“, „Turkotataren“, „Turko-Tataren“, „Turk-Mongolen“ und „Turko-Mongolen“ (Mogulen) bekannt. Die alte Stammesbezeichnung „Turuk“ entwickelte sich über mehrere Entwicklungsstufen zum heutigen Volksnamen „Türke“: * Ogurisch: Turuk ? Turkut ? Turk; * Oghusisch: Türük ? Türküt ? Türk; * Tatarisch: Török ? Törköt ? Törk

Ursprung der Turkvölker
Der Ursprung der Türken liegt im Verborgenen. Unumstritten scheint allein die Tatsache zu sein, dass die ersten Turksprachen turksprachigen Völker in der Altairegion (Zentralasien) gelebt haben. Genauer gesagt, am Schnittpunkt der beiden Flüsse Selenga und Orchon.vgl. U. Klever, 1978, Seite 25 :''Die Stammheimat der Türken, (…), ist das mittelasiatische Gebiet, das von den Gebirgen Altai und Sajan an der sibirisch-mongolischen Grenze, Tienschan an der Grenze zwischen Kasachstan und Chinesisch-Turkestan, Altin-Tag an der Nordwestgrenze Tibets und Chingan in Nordostchina eingefasst wird.''vgl. U. Steinbach, 2003, Seite 8 Je nachdem, welche Vorfahren herangezogen werden, unterscheidet sich die Datierung der türkischen Geschichte. Einige Forscher glauben, dass die Hunnen (oder Hsiung-nu) zu den direkten Vorfahren zählen. Das lassen zumindest einige der in anderen Sprachen überlieferten Eigennamen vermuten. Die Hunnen selbst haben keine Schriftfunde hinterlassen. Dies gilt auch für die früher ihnen gleichgesetzten Hsiung-nu, die in den chinesischen Quellen 400–200 v. Chr. zum ersten Mal erwähnt werden. Durch Erzählungen, Sprichwörter und Geschichten der älteren turkstämmigen Menschen kann man jedoch darauf schließen, dass man hier mehr oder weniger über die Vorfahren der heutigen Turkvölker spricht. Andere Forscher wie Prof. Josef Matuz weisen auf die Schwierigkeit mit der Zuordnung der Hunnen zu den Turkvölkern hin: :''"Hypothesen, wonach die europäischen oder die asiatischen Hunnen, letztere in den chinesischen Annalen unter der Bezeichnung Hsiung-nu erwähnt, Türken gewesen seien, lassen sich mangels Überlieferung nicht nachweisen. Das gleiche gilt für die Juan-Juan, die asiatischen und auch für die europäischen Awaren."''vgl. J. Matuz, 1996, Seite 9 Der Turkologe Michael Weiers Prof. Dr. Michael Weiers geht davon aus, dass im heutigen Nordchina Ende des 3. Jahrhunderts nach Christus verschiedene Stämme auftauchten, die er als Urtürken bezeichnet. Um diesen Kern gruppierten sich mehrere andere Stämme. Nach griechischen, persischen und chinesischen Quellen hielten sich damals dort folgende bedeutenden Stammesverbände auf: Xiongnu-Hu (sogenannte östliche Hunnen), die Tab'a, die hunnischen Xia und die türkischen und protomongolischen Rouran.vgl. [http://www.zentralasienforschung.de/TuerkenProtomongolen.PDF M. Weiers: Türken, Protomongolen und Prototibeter im Osten, 1998 (PDF)] Das Volk der Türken war in Stammesverbänden (altürkische Sprache alttürkisch ''bodun'') unterteilt. Die einzelnen Stämme benannten sich nach dem Urahn des Stammesführers. So gibt es eine Vielzahl von Turkvölkern mit unterschiedlichen Bezeichnungen wie z. B. Chasaren, Köktürken (auch bekannt als Göktürken), Oghusen, Turkmenen, Türken, Uiguren und Usbeken.

Räumliche Verbreitung
Die Gesamtheit der Angehörigen der Turkvölker wird heute auf ca. 200 Millionen Menschen geschätzt. Ihr Siedlungsgebiet reicht vom Balkan, über den Vorderer Orient Vorderen Orient, Zentralasien, Russland, Iran, China und Mongolei. Daneben gibt es bedeutsame Bevölkerungsgruppen in Westeuropa, Australien und den USA, die in der neueren Zeit dort hin immigriert sind. Geschlossene turksprachige Gebiete bestehen in Turkestan (Turkmenen, Usbeken, Uiguren, Kasachen, Karakalpaken, Kirgisen), Anatolien (Osmanen bzw. Türken „Türkei-Türken“) und Aserbaidschaner Aserbaidschan. Viele Turkvölker leben verstreut im Wolgagebiet (Wolgabulgaren, Baschkiren, Tataren, Tschuwaschen), auf der Krim (Tataren) und im Kaukasus Kaukasusgebiet (Nogaier, Kumyken, Karatschaier, Balkaren). In Bessarabien (Moldawien bzw. Moldau) lebt der christlich-orthodoxe Volkstamm der Gagausen, die zu den Osmanen zählen. Eine systematische Klassifikation ist unter Turksprachen zu finden. Gegenwärtig existieren sechs turksprachige Länder: Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Turkmenistan, Türkei und Usbekistan. Die Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Türkei und Bangladesch diplomatisch anerkannt. Daneben gibt es mehrere autonome Turkrepubliken und -regionen in der Russischen Föderation: Republik Altai, Baschkortostan, Tschuwaschien, Dagestan, Chakassien, Karatschai-Tscherkessien, Tatarstan, Tuwa und Sacha. Jede dieser autonomen Turkrepubliken besitzt ihre eigene Flagge, ein eigenes Parlament, eigene Gesetze und eine offizielle Staatssprache. Zwei autonome Regionen existieren darüber hinaus in China und Moldawien. Xinjiang, auch bekannt als „Ostturkestan“, wird zu einem großen Teil von einem Turkvolk bewohnt. Die autonome Region Gagausien liegt im Osten von Moldawien an der Grenze zur Ukraine. Zu Verbreitungsgebieten ohne Autonomie zählen Gebiete im Iran, Nord-Irak, Georgien, Bulgarien, Griechenland, Mazedonien, Tadschikistan, Afghanistan und im Westen der Mongolei. Die Türken bilden das zahlenmäßig größte Turkvolk, dann folgen die Aserbaidschaner. Trotz der weiträumigen Besiedlung bestehen zwischen den einzelnen Turkstaaten und Turkvölkern kulturelle und historische Gemeinsamkeiten, die größte stellt die Sprache dar: Das Türkische der Türkei steht dem der meisten Turkvölker nahe.vgl. [http://education.yahoo.com/reference/encyclopedia/entry?id=48234 Columbia Encyclopedia: Turks] :''Sprachlich bildeten und bilden die Turkvölker trotz der weiten Ausdehnung ihres Lebensraumes – bei Berücksichtigung zahlreicher Eigentümlichkeiten der Turksprachen – insofern eine Einheit, als auch heute die Türkei-Türken in den ethnischen und sprachlichen Kontext der Turkvölker insgesamt gestellt werden können.'' Innerhalb der Turkvölker existieren Phänotypus phänotypische Unterschiede. Während der südwestliche Zweig (Türkei-Türken, Aserbaidschaner, kaukasische Turkstämme) sich äußerlich nicht von den übrigen Ethnien im Mittelmeerraum unterscheidet, gleichen die Völker des östlichen Zweiges (Kasachen, Kirgisen, Karakalpaken sowie die altaiischen und sibirischen Völker) ihren ostasiatischen Nachbarn.vgl. [http://www.geohistory.com/GeoHistory/GHMaps/GeoWorld/turks.html Quelle: Grolier's Encyclopedia] Die Unterschiede sind geschichtlich bedingt. Während der Westwanderung der Turkvölker haben diese sich mehreren Reichen angeschlossen und später auch selbst mehrere Reiche gegründet. Die Autochthon autochthone, unterworfene Bevölkerung wurde dabei in manchen Fällen kulturell assimiliert. Colin Renfrew spricht in diesem Zusammenhang von einem ''élite dominance process'', bei dem eine siegreiche Minderheit ihre Sprache und zum Teil auch ihre Kultur auf die unterworfene Mehrheit überträgt. Viele Türken wurden aber auch selbst assimiliert und gingen in anderen Kulturen und Sprachgruppen auf. Als Beispiel sollen hier die mittelalterlichen Dynastien der Ghaznawiden und Mamelucken sowie einige Prinzen der Seldschuken genannt werden.

Kopfzahl der Turkvölker und Sprecher der Turksprachen
Die Anzahl der Muttersprachler aller turksprachigen Nationen, Volksgruppen und Minderheiten betrug 1990 laut Vereinten Nationen ca. 165 Millionen. Die UNESCO hatte in den 1980er Jahren ermittelt, dass für die Turksprachen eine Sprecherzahl von rund 200 Millionen angenommen werden kann, wenn die Personen hinzugezählt werden, die eine Turksprache als Zweit- oder Drittsprache sprechen. Heute kann von etwa 180 Millionen turksprachigen Muttersprachlern ausgegangen werden. Das türkische Kulturministerium spricht von 200 Millionen Turksprachlern. Heute kann aufgrund des Bevölkerungswachstums von einer höheren Zahl ausgegangen werden. Jedoch darf die Sprecherzahl generell nicht mit der Volkszugehörigkeit verwechselt werden, da auch Teile der Turkvölker aus verschiedenen Gründen ihre ursprüngliche Sprache nicht mehr sprechen. Z. B. sprechen nur 1,6 Millionen von insgesamt 7,2 Millionen ethnischen Tataren die tatarische Sprache. Deswegen ist die Zahl der Turkvölker höher anzusetzen als die Muttersprachler der Turksprachen.

Geschichte
Im Laufe der Jahrhunderte formierten die nomadischen Turkvölker Steppenimperien, die teilweise sehr kurzlebig waren. Später stellten sie als Militärsklaven einen wichtigen Teil der muslimischen Kalifen Kalifenarmeen und des Samaniden Samanidenreiches, aus denen die ersten muslimischen Turkdynastien hervorgingen, unter anderem die Ghaznawiden oder die indische Liste der Sultane von Delhi Sklaven-Dynastie. Die ersten Imperien der Turkvölker stellten lose Verbünde von verschiedenen Turkstämmen dar, die durch gemeinsame Interessen zusammengehalten wurden. Der Grund für den Zusammenschluss der einzelnen Nomadenstämme und deren Westwanderung war möglicherweise die ständige Suche nach Weideland und Wasser. In der Ursprungsheimat der Turkvölker lebten noch diverse andere Steppenvölker, die das Reich der Chinesen bedrohten. Kaiser Shi Huang Ti ließ angesichts dieser Bedrohung die Große Mauer bauen, um den mächtigsten unter diesen Völkern, den Hsiung-nu den Weg in die fruchtbaren Gebiete in China zu versperren. Nach der Vervollständigung des Werkes wandten sich die Hsiung-nu dem Westen zu und übten stärkeren Druck auf die anderen Nomadenstämme aus. In ihrem Marsch gen Westen zogen die Hunnen u. a. Skythen Skythenstämme und andere Iranier sowie Ostgermanen mit sich. Das Machtvakuum, das die Hunnen bei ihrer Westwanderung im 4. Jahrhundert hinterlassen hatten, füllten die Türken aus dem Selengatal aus. Das erste Reich der Türken, das durch schriftliche Quellen gestützt wird, war das Reich der Göktürken. Es hatte von 552 bis 745 Bestand und stellte einen losen Verband von Turkstämmen dar. Sie erstreckte sich von der chinesischen Grenze bis zum Kaspisches Meer Kaspischen Meer. Die Geschichte des Reiches wurde in den Orchon-Runen für die Nachwelt festgehalten.vgl. U. Klever, 1978, Seite 26 Nach der Zerschlagung des mongolischen Schuschan-Reiches wurde das Göktürken-Reich im Jahre 552 nach Christus durch Bumin Qa?gan gegründet. Das Reich reichte vom Chingangebirge bis nach Transoxanien. Erstmals taucht in dieser Zeit die Erwähnung des Namens ''Türke'' auf. Die Chinesen bezeichneten mit ''T'u-küe'' oder ''Tür-küt'' (deutsche Übersetzung: ''die Mächtigen'') die turksprachigen Völker in ihrer Gesamtheit als Türken. Das Reich schloss mit den Sassaniden in Iran einen Bündnis gegen die Hephthaliten. Nach der Zerschlagung der Hephthaliten stritten sich die ehemaligen Bündnispartner über die Aufteilung der Beute.vgl. [http://www.zentralasienforschung.de/KoekTuerken.PDF M. Weiers: Kök-Türken, 1998 (PDF)] Das Reich der Göktürken zerfiel nach kurzer Zeit in einen westlichen und einen östlichen Teil und wurde schließlich von mittelasiatischen Turkvölkern zerstört. 744 n. Chr. ersetzte das Reich der Uiguren das Reich der Göktürken. Die Uiguren waren das erste Turkvolk, das in seiner Gesamtheit eine Hochreligion annahm. Zuvor waren sie wie alle anderen Turkvölker Anhänger des Tengrismus. 762 n. Chr. traten sie zum Manichäismus über.vgl. J. Matuz, 1996, Seite 10 Die Uiguren wurde ihrerseits von dem Turkvolk der Kirgisen aus ihrem Reichsgebiet vertrieben. Nach ihrer Vertreibung errichteten die Uiguren zwei Reiche, im Tarimbecken und in China. Das Reich im heutigen Turkestan wurde 1028 n. Chr. von den Tanguten, einem Tibeter tibetischem Volk, vernichtet. Die Chasaren, ein anderes Turkvolk, errichteten zwischen dem 7. und 11. Jahrhundert n. Chr. in Südrussland ein Reich. Die Herrscherschicht bildeten Türken, die Bevölkerungsmehrheit rekrutierte sich aus einem Oguren Oguren-Volk.vgl. J. Matuz, 1996, Seite 11 Die Karachaniden bildeten das erste Turkvolk, das im 10. Jahrhundert zum Islam übertrat. 999 n. Chr. eroberten sie Buchara und stürzten die Samaniden. Im 12. Jahrhundert wurde ihr Reich wiederum von den Mongolen mongolischen Kara Kitai zerstört.vgl. J. Matuz, 1996, Seite 12 Im 9. Jahrhundert haben vermutlich die Mongolen die Türken aus ihrer Urheimat vertrieben. Ab dem Zeitpunkt lebten keine Türken mehr in der heutigen Mongolei.vgl. U. Klever, 1978, Seite 24 Nach der Ausbreitung des Islam im 8. Jahrhundert in Mittelasien wurden viele Türken zum Islam bekehrt.vgl. [http://www.lindenmuseum.de/inhalt/tuerkei/tustart.html Lindenmuseum – Der lange Weg der Türken] Eine zentrale Rolle spielte dabei der ''Dschihad'' der Samaniden gegen zentralasiatische Nomaden, welcher jedoch im Kern politisch motiviert war und der Vergrößerung der eigenen Armee gedient hat. Die ersten muslimischen Türken waren – mit wenigen Ausnahmen – konvertierte Militärsklaven im Dienste der Samaniden und später der Abbasiden abbasidischen Kalifen. So kam es auch, dass das erste von einem muslimischen Türken gegründete Großreich aus den Reihen jener Militärgeneräle hervorging: die Ghaznawiden Sultane von Ghazna. 961 n. Chr. gelang Alptigin, ein ehemaliger Militärsklave im Dienste der Samaniden, an die Macht und löste den verstorbenen Herrschers Abd al-Malik in Balch (heute Nordafghanistan) als regionalen Fürst ab. Von Balch aus eroberte er große Gebiete in Chorasan. Als der eigentliche Begründer der Dynastie gilt jedoch sein Sohn Mahmud (989-1030). Obwohl die Ghaznawiden ethnische Türken waren, lassen historische Dokumente und Biographien jedoch stark daran zweifeln, dass sie sich selbst auch als solche gesehen haben. Als eine Persische Sprache persischsprachige Familie, die auch kulturell von der einheimischen Bevölkerung Chorasans assimiliert worden war, waren die Ghaznawiden der Anfang eines kulturellen Phänomens innerhalb der muslimischen Gesellschaft, welches erst mit dem Siegeszug der späteren Osmanen (s. u.) sein Ende fand: Nachkommen nomadischer Turkstämme wurden zum Islam bekehrt, übernahmen daraufhin die persische oder arabische Sprache und verbreiteten nun selbst diese Kultur in andere Regionen (Indien, China, Anatolien). vgl. [http://www.iranica.com/articles/v10f6/v10f608.html Encyclopaedia Iranica: "Ghaznavids" (Online-Version)] Die gefährlichsten Feinde der Ghaznaviden waren wiederum ein Turkvolk, die Seldschuken. Als die Araber Transoxanien eroberten, gerieten einige turkische Stämme unter arabische Gefangenschaft. Fortan dienten sie den Abbasiden abbasidischen Kalifen als Sklaventruppen. Die Mamelucken, überwiegend türkische Militärsklaven, rissen in Ägypten die Macht an sich und herrschten fast 300 Jahre lang, bis sie von den ebenfalls türkischen Osmanen unterworfen wurden.vgl. U. Klever, 1978, Seite 8 Die heutigen Türken in der Türkei sehen sich selbst als Nachkommen jener osmanischen Türken. Diese wiederum waren Angehörige der sogenannten Westtürken der Oghuz. Der Ursprung der Oghusen liegt in der heutigen Mongolei. Während der Herrschaft der türkischen Seldschuken über große Gebiete in Anatolien wanderten aus dem Osten türkische Stämme nach Anatolien ein.vgl. [http://www.wsu.edu:8080/~dee/OTTOMAN/OTTOMAN1.HTM World Civilizations- The origins of Ottomans Richard Hooker] Die Osmanen waren ursprünglich ein kleiner turkmenischer Stamm, dem der Sultan der Rum-Seldschuken ein kleines Fürstentum (türk. ''Beylik'') an der Grenze zum Byzantinischem Reich überließ. Mit dem Aufkommen des Nationalismus waren die Türken die ersten islamischen Völker, die die westlichen Ideen des Liberalismus und der Säkularität aufgriffen. Gegen Ende des 19. Jahrhundert wurden die Ideen durch tatarische Intellektuelle wie Ismail Gaspirali und Yusuf Akçura aufgegriffen und weiterentwickelt. Beide gehörten der tatarischen Minderheit im Russischen Reich an und ihre Arbeit ist wohl als Antwort auf den aufkommenden Panslawismus zu werten. Die ersten demokratischen Turkstaaten wurden in Idel-Ural (1917), Aserbaidschan (1918), jedoch wurden beide Staaten von der Sowjetunion annektiert. 1923 wurde die Türkei gegründet. Weitere sind die Republik Hatay und Republik Gumulcine. ''Siehe auch:'' Turkstaat

Kultur
Die Kulturen, traditionellen Wirtschaftsformen und Lebensweisen der Turkvölker sind vielfältig, und ihre Geschichte ist vielschichtig.

Schrift und Sprache
Die Turkvölker benutzten ab Mitte des ersten Jahrtausends ihre eigene Schrift, wie die Orchon-Runen Orchon-Inschriften oder das Uighuren-Alphabet beweisen. Letzteres stellt in der späteren Version eine modifizierte Schreibweise der arabischen Schrift dar. ''Siehe auch:'' Turkische Lateinalphabete Die Turksprachen werden in vier Gruppen eingeteiltvgl. [http://www.orientalistik.uni-mainz.de/turkologie.html Turkologie, Gutenberg-Universität]: 1. Die südwestliche Gruppe (oghusisch): umfasst Aserbaidschanische Sprache Aserbaidschan-Türkisch (Republik Aserbaidschan, Südaserbaidschan im Iran), Gagausische Sprache Gagausisch (Moldawien, Ukraine, Rumänien, Bulgarien), Türkische Sprache Türkei-Türkisch (Türkei, Balkan, Irak), Turkmenische Sprache Turkmenisch (Turkmenistan, Afghanistan, Iran), südoghusische Dialekte (Iran). 2. Die nordwestliche Gruppe (kyptschakisch): Baschkirische Sprache Baschkirisch (Baschkirien/Russland), Karaimische Sprache Karaimisch (Litauen, Ukraine, Polen), Karakalpakische Sprache Karakalpakisch (Usbekistan), Karatschai-balkarische Sprache Karatschaisch-Balkarisch (Kaukasus), Kasachische Sprache Kasachisch (Kasachstan, Xinjiang/China), Kirgisische Sprache Kirgisisch (Kirgisistan, Xinjiang/China), Krimtatarische Sprache Krimtatarisch (Krim, Usbekistan), Kumykische Sprache Kumückisch (Kaukasus), Nogaische Sprache Nogaisch (Kaukasus), Tatarische Sprache Tatarisch (Tatarstan/Russland) 3. Die südöstliche Gruppe (Türki-Gruppe): Uigurische Sprache Uigurisch (Xinjiang/China), Usbekische Sprache Usbekisch (Usbekistan) 4. Die nordöstliche Gruppe (sibirische): Altaisch (Turksprache) Altaisch („Oirotisch“, Altai), Chakassische Sprache Chakassisch (Chakassien), Dolganische Sprache Dolganisch, West-Yugurisch (Gansu/China), Schorische Sprache Schorisch, Tofalarische Sprache Tofalarisch („Karagassisch“), Tschulymische Sprache Tschulymisch, Tuwinische Sprache Tuwinisch (Tuwa, Xinjiang/China), Jakutische Sprache Jakutisch (Jakutien)

Religion
Heute sind die meisten Angehörigen der Turkvölker Islam Muslime, die Mehrheit wiederum Sunniten und Aleviten. Aber es gibt unter ihnen auch Angehörige anderer Religionen wie z. B. Schamanismus naturreligiöse Schamanisten, Buddhismus Buddhisten, Judentum Juden und Christen.

Mythologie
Traditionelle nationale und kulturelle Symbole der Turkvölker sind, bereits seit der Zeit vor dem Übertritt zum Islam, der Stern und der Halbmond. Die Farbe blau, Eisen und Feuer stellen wichtige Bestandteile der Mythologie der Turkvölker dar.

Erkenntnisse der Populationsgenetik
Der anerkannte, jedoch auch manchmal umstrittene[http://www.as.ua.edu/ant/bindon/ant275/reader/apportionment.pdf][http://www.stanfordalumni.org/news/magazine/1999/mayjun/articles/cavalli_sforza.html] Populationsgenetiker Luigi Luca Cavalli-Sforza ordnet den südwestlichen Zweig (Türkei-Türken, Aserbaidschaner, kaukasische Turkstämme) als ''turksprachig'' aber nicht ''turkstämmig'' ein. Vorsichtiger formuliert es die Studie von Brega et al.: :''However, further analysis of other samples from Turkey and from populations living in the homelands of the Turkish tribes, namely, the eastern area of the Caspian Sea and Mongolia, is needed.''vgl. [http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=PubMed&list_uids=9686482&dopt=Abstract Study of 15 protein polymorphisms in a sample of the Turkish population Brega et al. 1998] :''The present Turkish population was compared to other European, Middle Eastern, and North African populations by means of correspondence analysis. Turks cluster with Turkomans, who share the ancient Turks' derivation from the Oguz tribe. Moreover, Turks clearly belong to European groups and resemble the populations of neighboring countries. Therefore the present data support the hypothesis that the ancient Turkish tribes, who started to enter Anatolia 1000 years ago, contributed little to the gene pool of the preexisting Anatolian populations. Alternatively, if the genetic structure of the invading Turks resembled that of the ancient Anatolians, it will be impossible to find traces of their admixture with the autochthonous inhabitants of Anatolia.'' Oder: :''During the 11th century A.D., Turkic nomads (such as the Seljuqs and the Ottomans, among others) occupied the grassland in the interior of Asia Minor, imposing their language and replacing Anatolian, an extinct branch of the Indo-European family (Ruhlen 1991, pp. 35–36), by an élite dominance process (Renfrew 1987, pp. 131–133). Whereas the historical and cultural consequences of the Turkic invasion of Anatolia were profound, the genetic contribution of the Turkic peoples to the modern Turkish population seems less significant. Previous studies (Calafell et al. 1996; Comas et al. 1996) have shown that the mtDNA pool found in Turkey can be interpreted as the result of upper Paleolithic and/or Neolithic expansions from the Middle East to Europe, with a small contribution by Asian sequences. The present results show that those sequences were found in the Turkic central Asian peoples, whose ancestors may have brought the Asian mtDNA sequences to Anatolia. Nevertheless, it should be stressed that, in the study of mtDNA sequences, only the female lineages are taken into account, whereas processes such as invasions by nomadic peoples might have been carried out basically by male warriors. Therefore, although, in the present study, we found evidence for a small influx of female lineages from central Asia to Turkey, a more complete picture of the history of Turkic populations could emerge if nuclear and Y-chromosome markers were analyzed.''vgl. [http://www.journals.uchicago.edu/AJHG/journal/issues/v63n6/970820/970820.text.html?erFrom=2602963528509075734Guest Trading Genes along the Silk Road: mtDNA Sequences and the Origin of Central Asian Populations Comas, D. et al. 1998] Diese Ansicht wird durch führende Sprachwissenschaftler unterstützt, u. a. durch V. Minorsky in der Encyclopaedia of Islam: :''[as consequence of Oghuz Turkic domination in the Caucasus, beginning the 12th century] the Iranian population of Ādharb?yj?n and the adjacent parts of Transcaucasia became Turkophone while the characteristic features of Ādharb?yj?nī Turkish, such as Persian intonations and disregard of the vocalic harmony, reflect the non-Turkish origin of the Turkicised population.V. Minorsky, ''Ādharb?yj?n'', in Encyclopaedia of Islam Encyclopædia of Islam, Online Edition, 2006

Kritik
Untersuchungen, die sich auf die Genetik beziehen, übersehen jedoch, dass der Mensch neben seiner genetischen Eigenschaften auch ein kulturelles Wesen ist. Daher empfiehlt die UNESCO zur Unterscheidung der verschiedenen Völker statt der Einteilung in Rassen von kulturellen Gruppen (''cultural groups'') zu sprechen, welches später als Ethnie ethnische Gruppe übersetzt wurde: :''Cultural groups, or national, linguistic, religious and geographical groups, do not necessarily coincide with racial groups. The cultural traits of such groups have no demonstrated causal connexion with hereditary racial traits. Americans are not a race, nor are Englishmen, Frenchmen, Spaniards, Turks or Chinese, nor any other national group. Muslims and Jews are no more races than are Catholics and Protestants. These cultural groups are not describable as races because each cultural group is composed of many different races. Serious errors are habitually committed when the term race is used in popular parlance; the term should never be used when speaking of such human cultural groups.''vgl. [http://unesdoc.unesco.org/images/0007/000733/073351eo.pdf The race concept. Results of an inquiry UNESCO Paris, 1952, Seite 73 und 99] Der Orientalist Prof. Josef Matuz spricht von den Turkvölkern als Gesamtheit von einer Ethnie: :''Ist heute die Rede von ‚den Türken‘, so denkt man dabei landläufig an die über vierzig Millionen Bewohner der heutigen Republik Türkei, (...). Diese Auffassung wird jedoch den ethnischen Gegebenheiten nicht ganz gerecht. Denn Türken, d. h. Bevölkerungsgruppen, die eine Türksprache sprechen, leben auch außerhalb und z. T. sogar von den heutigen Staatsgrenzen der Türkei sehr weit entfernt.''vgl. J. Matuz, 1996, Seite 1

Quellenverzeichnis


Literatur
* Luigi Cavalli-Sforza: ''Genes, Peoples and Languages''. North Point Press, New York 2000. *Ulrich Klever: ''Das Weltreich der Türken – Vom Steppenvolk zur modernen Nation''. Bayreuth 1978, ISBN 3-7770-0171-6 * Dschalal Mamadow & Vougar Aslanow: ''Turan. Geheimnisvolles Reich der Turkvölker''. In: ''Wostok, Informationen aus dem Osten für den Westen''. Berlin. Heft 2/2003, S. 75–77; Abstract: [http://www.wostok.de/archiv/2-03/gesellschaft/index.html] * Josef Matuz: ''Das Osmanische Reich – Grundlinien seiner Geschichte''. Darmstadt 1996, ISBN 3-89678-010-7 * Colin Renfrew: ''World linguistic diversity''. Scientific American 270(1), 1994, S. 118 * Colin Renfrew: ''Archaeology and language: the puzzle of Indoeuropean origins''. Jonathan Cape, London 1987, S. 131–133 * Udo Steinbach: ''Geschichte der Türkei''. München 2003, ISBN 3-406-44743-0

Siehe auch
* Liste der Turkvölker * Turkstaaten * Tengrismus * Turkestan Kategorie:Turksprachige Ethnie ! bg:Гоктюрки en:Turkic peoples eo:Turkecaj popoloj fr:Peuples turcs ja:テュルク nl:Turken pl:Ludy tureckie ro:Popor turcic sv:Turkfolk tr:Türk halk grubu tt:Törki xalıqlar uz:Turkiy halqlar zh:?厥

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