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Startbahn West

*** Shopping-Tipp: Startbahn West

Image:Frankfurt intl airport (nasa).jpg thumb|right|200px|Der Frankfurter Flughafen heute, links im Bild die Startbahn West (Satellitenbild) Die '''Startbahn West''', genaue Bezeichnung '''Startbahn 18 West''', ist eine 4000 Meter lange reine Startbahn auf dem Flughafen Frankfurt am Main, die sich im westlichen Teil des Flughafens befindet und von Norden nach Süden verläuft. Die Planungen zur Startbahn stießen auf erhebliche Proteste und wurden zu einem der wichtigsten Bezugspunkte der Umwelt-Bewegung der Siebzigerjahre.

Geschichte


Planungen
Im Jahr 1962 entschloss sich die Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt Rhein-Main, die Fraport Flughafen Frankfurt/Main AG, neben einem neuen Empfangsterminal eine neue Startbahn in Planung zu geben. Der drastisch gestiegene Flugverkehr hatte sowohl die alten Empfangsgebäude als auch das bis heute bestehende Parallelbahnsystem an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht. Das Rhein-Main-Gebiet befand sich in einem stetigen ökonomischen Aufschwung, was nicht zuletzt dem Flughafen als europäischem Luftdrehkreuz zu verdanken war. Doch das Flughafengelände ist ausschließlich von Frankfurter Stadtwald Wald umgeben, darunter Bannwald. Hinzu kam ein weiteres Problem: Im Norden verläuft in Ost-West-Richtung die Bundesautobahn 3, im Osten verläuft in Nord-Süd-Richtung die Bundesautobahn 5, im Westen verläuft ebenfalls in Nord-Süd-Richtung eine oberirdische Hauptstromtrasse und im Süden machte die amerikanische Rhein-Main Air Base einen unkomplizierten Ausbau ebenfalls unmöglich. Lediglich in der südwestlichen Ecke des Geländes bestand die Möglichkeit einer neuen Piste in Nord-Süd-Richtung. Dies bedeutete einerseits einen immensen Holzeinschlag und andererseits die Ausdehnung des Flughafengeländes auf eine nicht mehr zum Stadtgebiet gehörende Gemarkung. Doch noch stand der Ausbau des Flughafens als wichtiger Wirtschaftsfaktor weit vor ökologischen Argumenten. Am 28. Dezember 1965 beantragte die Flughafen AG die Genehmigung für den Bau der Startbahn 18 West. Im Mai 1966 wurde im Hessischer Landtag Hessischen Landtag dem Neubau der 4000 Meter langen Startbahn in Nord-Süd-Richtung stattgegeben. Angesichts der politischen Freigabe beschloss im November 1967 die ''Flughafen Frankfurt/Main AG'' (''FAG'') den Neubau des 78 Mio. DM teuren Projekts. Diesem Ausbau standen in einer Zeit des beginnenden Umweltbewusstseins immer mehr Bürger skeptisch gegenüber. Nach dem im März 1968 vom Verkehrsminister erlassenen Planfeststellungsbeschluss wurden 44 Anfechtungsklagen erhoben.

Anfechtungsklagen
Nachdem im März 1972 das neue ''Terminal Mitte'' (das heutige ''Terminal 1'') eröffnet wurde, kam es ein Jahr später zum Planfeststellungsverfahren für die neue Startbahn. Die Folge waren nun über 100 Klagen vor hessischen Gerichten. Argumentativ sahen sich die Startbahngegner, die sich mehr und mehr in Bürgerinitiativen zusammengeschlossen hatten, im Aufwind, da sowohl zurück gehende Flugbewegungen als auch die Ölkrise einen weiteren Ausbau als nicht mehr sinnvoll erscheinen ließen. Fast 10 Jahre lang befassten sich Gerichte mit dem geplanten Ausbau. Aus formalen Gründen wurde der Beschluss aufgehoben. Im März 1971 erließ das Ministerium einen zweiten Planfeststellungsbeschluss, der erneut die Gerichte beschäftigte. Ende 1978 gründete sich eine Bürgerinitiative hauptsächlich in den betroffenen Gemeinden Mörfelden-Walldorf, aber auch aus Frankfurt und Umgebung gegen den Ausbau. Im Juli 1978 verwies das Bundesverwaltungsgericht (Deutschland) Bundesverwaltungsgericht die Klagen der Startbahngegner zurück an den Hessischer Verwaltungsgerichtshof Hessischen Verwaltungsgerichtshof. Im Dezember desselben Jahres verkaufte das Land Hessen 303 Hektar Land an die ''FAG'' zum Bau der neuen Startbahn. Der zu erwartende Holzeinschlag betrug dabei 129 Hektar.

Zuspitzung des Konflikts
Mit der Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 21. Oktober 1980 für den Bau der neuen Startbahn endete die gerichtliche Auseinandersetzung, während sich der Widerstand vor Ort zuspitzte. Auf dem Gelände der geplanten Startbahn West errichteten Gegner ab Mai 1980 mehrere Hütten, um mittels eines symbolischen Dorfes mit Wald-Uni und Kirche den Bau zu verhindern. Im Juli ordnete der hessische Minister für Wirtschaft und Verkehr, Heinz-Herbert Karry, den „''Sofortvollzug''“ für den Bau der Startbahn an. Den Widerspruch dagegen wies der hessische Verwaltungsgerichtshof im Oktober zurück. Die Baumfällarbeiten begannen aus technischen Gründen noch vor Winter. Am 2. November demonstrierten am Waldrand in Walldorf 15.000 Menschen, hauptsächlich Umweltschützer und Studenten, aber auch sehr viele ältere Menschen über fünfzig, die zuvor die Bewohner des Hüttendorfes unterstützt hatten. Im Februar 1981 sagte der Ministerpräsident und gelernte Betonfacharbeiter Dr. Holger Börner im Hessischer Landtag Hessischen Landtag, dass er solche Angriffe auf seine Person „''vor 40 Jahren auf dem Bau [...] mit der Dachlatte beantwortet''“ hätte. Bild:069 Startbahn West.jpg thumb|200px|Betonzaun vor der Baustelle Im Mai 1981 ordnete das Regierungsbezirk Darmstadt Darmstädter Regierungspräsidium die Geländeenteignung an. Am 6. Oktober wurde das 7 ha-Gelände geräumt. Dieses ehemalige Waldstück war bereits ein Jahr vorher gerodet worden und wurde von Besuchern des Hüttendorfes als Parkplatz genutzt. Auf dem Parkplatz hatten sich am 6. Oktober viele Hundert Leute versammelt, einen spitzwinkligen Graben ausgehoben und innerhalb des Grabens einen Turm gebaut. Die Räumung verlief weitgehend friedlich, allerdings konnte der Turm nicht so einfach geräumt werden und die Besetzer verließen diesen freiwillig am darauffolgenden Abend. Das Hüttendorf selbst wurde am Morgen des 2. November geräumt. Die Räumung verlief friedlich. Danach begannen - unter massivem Polizeischutz – die Bau- bzw. Rodungsarbeiten. Währenddessen kam es immer wieder zu Übergriffen der Demonstranten. Wenige Wochen nach Beginn des Baus wurde ein 2,50 Meter hoher Betonzaun zur Sicherung der Arbeiten errichtet.

Demonstrationen
Am 14. November demonstrierten in Wiesbaden mehr als 120.000 Menschen gegen die Startbahn-Pläne. Dem Landeswahlleiter wurden 200.000 Unterschriften für ein Volksbegehren übergeben. Der Frankfurter Magistratsdirektor Alexander Schubart rief für den nächsten Tag zu einer ''Besichtigung'' des Flughafens auf. Über Stunden wurden die Zufahrten blockiert, auf den benachbarten Autobahnen brannten Barrikaden, die Polizei ging mit Gewalt gegen Demonstranten vor. Eine Besetzung des Frankfurter Bahnhofs wird von Ordnungkräften verhindert. Über eine Woche war die Innenstadt von Frankfurt durch tägliche Protestaktionen faktisch gesperrt. Schubart wird wegen der von ihm versuchten Nötigung der Landesregierung und des Aufrufs zur Gewalt zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt und aus dem Staatsdienst entfernt. Ein Antrag auf ein Volksbegehren – was die letzte legale Möglichkeit darstellte, den Bau der Startbahn zu verhindern – endet 1982 mit negativem Bescheid und der Zurückweisung wegen Nichtzuständigkeit des Hessischen Verfassungsgericht Staatsgerichtshofs.

Nach dem Bau
Bild:18W.JPG 200px|right|thumb|Startbahn 18 W von Norden Am 12. April 1984 wird die neue ''Startbahn 18 West'' dem Verkehr übergeben; auf Eröffnungsfeierlichkeiten wird verzichtet. Einen tragischen Höhepunkt findet die Auseinandersetzung jedoch erst nach Eröffnung der Startbahn. Am 2. November 1987 werden anlässlich einer Begehung zum Jahrestag der Räumung des Hüttendorfs zwei Polizeibeamte, Thorsten Schwalm und Klaus Eichhöfer, mit einer zuvor in Hanau geraubten Polizeidienstwaffe erschossen. Der Täter wurde verurteilt, doch die Startbahn-Bewegung brach nach diesem Ereignis auseinander. Von den Auseinandersetzungen ist die Betonmauer um die Startbahn übriggeblieben.

Rückblick
Es ist ein ironischer Aspekt, daß die Startbahn West ohne die politische Bewegung, die gegen ebendieses Projekt gekämpft hat, vermutlich niemals gebaut worden wäre: In anderen Ländern wäre damals in ähnlicher Situation eine dritte Parallelbahn gebaut worden, wie sie auch in Frankfurt damals angedacht und seit der Jahrtausendwende in Planung ist. Als Zugeständnis an die - in Deutschland damals ungleich stärkere - Umweltschutzbewegung wurde - damals und vorübergehend - auf eine vollwertige dritte Bahn verzichtet, da die gewählte "Krücke 18 West" deutlich weniger Flächenverbrauch bedeutete und somit politisch leichter durchsetzbar erschien. Damit wurde das mehrfache Kalkül verfolgt, daß: * die politische Bewegung der Flughafengegner - oder zumindest deren radikaler Teil - sich bis zur Jahrtausendwende totlaufen würde, * die langfristig unverzichtbare dritte Bahn dann leichter durchsetzbar wäre (was nach der jüngsten Sachlage auch eingetreten ist), * die 18 West dann entweder als vierte bzw. "Ausweichbahn" zur Verfügung stünde (was andersherum wohl nicht möglich gewesen wäre), oder * die 18 West eines Tages stillgelegt und das auf diese Weise aus dem Wald "herausgeschnittene" Stück dem Flughafen weiterhin für den Ausbau zur Verfügung stehen würde. Dies allerdings wurde durch das Ende des Kalten Krieges - und das damit verbundene Freiwerden der Rhein-Main-Airbase - zumindest teilweise hinfällig.

Filme
* ''Keine Startbahn West - Trilogie eines Widerstandes'' (1981), Dokumentarfilm von Thomas Frickel u.a. * ''Keine Startbahn West - Eine Region wehrt sich'' (1982), Dokumentarfilm von Thomas Frickel u.a.

Weblinks

- Startbahn West: Eine Region wehrt sich. 25 Jahre Räumung Hüttendorf(hr-online Spezial) {{Koordinate Artikel|50_1_4_N_8_31_33_E_type:airport_region:DE-HE|50° 1' 4" N, 8° 31' 33" O}} Kategorie:Geschichte von Frankfurt am Main Kategorie:Verkehr in Frankfurt am Main Kategorie:Autonome Bewegung Kategorie:Politischer Widerstand

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[Der Artikel zu Startbahn West stammt aus dem Nachschlagewerk Wikipedia, der freien Enzyklopädie. Dort findet sich neben einer Übersicht der Autoren die Möglichkeit, den Original-Text des Artikels Startbahn West zu editieren.
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