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Hendrik Witbooi

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Bild:Witboi.jpg thumb|Hendrik Witbooi '''Hendrik Witbooi''' (* ~1830 in Pella / Südafrika, † 29. Oktober 1905 in den Karrasbergen / Südwest - Afrika) war seit Ende 1888 Häuptling („Kapitein“) des mit den Nama (Volk) Nama verwandten Orlam Orlam-Stammes der Witbooi. Hendrik Witboois Familie gehörte über Generationen zur führenden Schicht der Nama, sowohl sein Großvater Kido Witbooi Kido David Witbooi als auch sein Vater Moses Witbooi Moses waren Nama-Häuptlinge. Sein Großvater führte ab 1855 den Stamm aus der Kapprovinz nach Norden über den Oranje-Fluss in das spätere Nama-Land. Die Familie lebte im christlichen Glauben, nachdem der Großvater 1868 getauft worden war. Henrik Witbooi selbst hatte zwölf Kinder, darunter sieben Söhne. Das Geburtsjahr Hendrik Witboois ist unbekannt, die Quellen schwanken zwischen 1824 und 1838. Sicher ist, dass er in Pella aufwuchs, dem damaligen Siedlungsort des Witbooi-Stammes, unweit des Südufers des Oranje-Flusses auf dem Gebiet der Kapprovinz. Als junger Mann erlebte er den Zug seines Stammes nach Norden mit. Die Witbooi-Namas ließen sich etwa 160 Kilometer nördlich des Oranje in dem von ihnen mit dem biblischen Namen Gibeon (Namibia) Gibeon benannten Ort nieder. Da sie bereits in ihrer früheren Heimat von christlichen Missionaren betreut worden waren, baten sie die in Südwestafrika tätige Rheinische Missionsgesellschaft um die Entsendung eines Missionars nach Gibeon. Die Aufgabe wurde 1868 Johannes Olpp übertragen. Er baute einen engen Kontakt zur Häuptlingsfamilie der Witboois auf und taufte bereits im ersten Jahr seiner Tätigkeit die gesamte Familie. Für viele Jahre war Olpp eine wichtige Bezugsperson für Hendrik Witbooi. Mit einen hohen Grad an Intelligenz ausgestattet, vertiefte sich Hendrik Witbooi intensiv in den christlichen Glauben, darüber hinaus erlernte er mehrere europäische Sprachen. 1875 ernannte ihn Olpp zum Ältesten der Kirchengemeinde Gibeon. Andererseits hatte Hendrik Witbooi auch ein ausgeprägtes Machtstreben, wobei er es ausgezeichnet verstand, seine daraus resultierenden Handlungen mit christlichen Argumenten zu untermauern. Dies wurde besonders deutlich, als er gegen den Willen seines Vaters den Witbooi-Stamm weiter nach Norden führen wollte. Dieses Vorhaben begründete mit der Behauptung, Gott wäre ihm erschienen und hätte ihm den Auftrag gegeben, sein Volk nach Norden zu führen. Er stellte sich mit seinem Plan nicht nur gegen seinen Vater, der inzwischen Häuptling geworden war und durch das Handeln seines Sohnes die eigene Autorität schwinden sah, er schlug auch die eindringlichen Warnungen der Missionare in den Wind. Diese Warnungen waren nicht unbegründet, denn der Zug der Witboois nach Norden bedeutete unweigerlich einen Konflikt mit den Hereros, die in diesem Gebiet siedelten. Unter Berufung auf den göttlichen Befehl brach Hendrik Witbooi im Mai 1884 mit dem größten Teil der Bewohner Gibeons nach Norden auf. Der Zug kam etwa 200 Kilometer voran, ehe er nördlich von Rehoboth von den Hereros angegriffen wurde. Nachdem Witbooi die Übermacht des Gegners erkannte, bat er den Herero-Häuptling Maharero in einem Brief um Friedensschluss und unbehelligten Weiterzug. Die Kontaktaufnahme mit seinen Gegnern über Briefe war auch später immer wieder eine typische Handlungsweise Witboois. Maharero akzeptierte zwar das Friedensangebot, lehnte aber den Weitermarsch der Witboois ab, sodass Hendrik Witbooi am 14. Juli 1884 nach Gibeon zurückkehren musste. Dort sah er sich erneut heftigem Tadel der Missionsgesellschaft ausgesetzt, die ihm obendrein seiner kirchlichen Ämter enthob und ihm die Abendmahlszulassung entzog. Davon tief getroffen, wandte sich Witbooi in einem langen Brief an den neuen Missionsleiter Friedrich Rust, in dem er sich mit der ihm erteilten göttlichen Weisung rechtfertigte, einen erneuten Zug nach Norden ankündigte und Rust aufforderte, den Zug zu begleiten. Rust lehnte das Ansinnen ab, aber trotzdem brach Witbooi im Juli 1885 mit etwa 600 Leuten erneut gen Norden auf. Ziel des Zuges war diesmal der Ort Okahandja, der Sitz des Herero-Häuptlings. Dort besetzten die Witboois eine Wasserstelle und wurden daraufhin erneut von den Heroros angegriffen, die sich diesmal auf keine Friedensangebote einließen und den Witboois eine verheerende Niederlage beibrachten. Obwohl Hendrik Witbooi die verlorene Schlacht auch noch mit dem Tod zweier Söhne bezahlen musste, gab er den Kampf nicht auf. Nachdem er erkennen musste, dass die Hereros seinen göttlichen Auftrag vereitelt hatten, war nun die Bestrafung des Gegners sein neues Ziel. Er führte über Jahre hinweg gegen die Hereros einen Guerillakrieg. Im Jahre 1887 war Witboois Vater Moses durch seinen Konkurrenten Paul Visser als Häuptling abgesetzt worden und wurde am 22. Februar 1888 von diesem ermordet. Visser rief den Ort Hornkranz, fast 200 Kilometer nördlich von der bisherigen Siedlung Gibeon entfernt, als neuen Sitz der Witboois aus. Dort stellte ihn Hendrik Witbooi am 12. Juli 1888 zum Kampf und tötete ihn. Die Witboois ernannten ihn daraufhin zum neuen Häuptling. Um seine Macht noch weiter auszubauen, veranlasste Witbooi die anderen Namastämme, teilweise unter Gewaltanwendung, ihn als Herrscher des gesamten Namavolkes anzuerkennen. In der Zwischenzeit war Witbooi mit den deutschen Einwanderern ein neuer vermeintlicher Störfaktor erwachsen. Die Hereros hatten schon 1885 nach Witboois zweiten Marsch in das Hereroland einen Schutzvertrag mit der deutschen Kolonialverwaltung abgeschlossen. Nachdem Witbooi seine Überfälle ständig weiterführte, beriefen sich die Hereros auf den zugesicherten deutschen Schutz und forderten, Witboois Angriffe durch die deutsche Schutztruppe zu unterbinden. Diese hatte jedoch zuwenig Soldaten, um militärisch eingreifen zu können, und auch Vermittlungsgespräche mit dem Reichskommissar Heinrich Göring Göring führten zu keinem Erfolg. Daraufhin verstärkte Deutschland 1889 seine Schutztruppe und ernannte den Hauptmann Curt von François von François zu deren Kommandeur. Auch dieser führte zunächst Verhandlungen mit Witbooi und bot den Nama ebenfalls einen Schutzvertrag an, doch Hendrik Witbooi wies alle Angebote mit Hinweis auf die Souveränität des Namavolkes zurück. Als François daraufhin ein militärisches Vorgehen ankündigte, besann sich Witbooi und schloss im November 1892 endlich Frieden mit den Hereros. Allerdings war François nun zu der Überzeugung gelangt, dass Witbooi auf Dauer für die Weiterführung der deutschen Kolonisation in Südwestafrika ein Hindernis sein würde und beschloss, Witboois Macht endgültig zu brechen. In der Hoffnung, Witbooi zu stellen, überfiel er am 12. April 1893 das Namalager in Hornkranz und ließ das Feuer auf die Bewohner eröffnen. Witbooi gelang es jedoch, mit seinen Kriegern zu fliehen, ließ aber Frauen und Kinder zurück, die im Kugelhagel der Schutztruppe niedergemetzelt wurden. François ließ Hornkranz besetzen und machte zunächst allerdings vergeblich weiter Jagd auf Witbooi. Diesem gelang es, sich über ein Jahr lang zu verbergen oder weiteren Angriffen zu entkommen, griff seinerseits deutsche Posten und Farmer an. Erst als François durch den Major Theodor Leutwein Leutwein ersetzt wurde, konnte Witbooi in der felsigen Naukluftgebirge Naukluft aufgespürt und nach zweiwöchigen Kämpfen am 11. September 1894 zur Kapitulation gezwungen werden. Leutwein verzichtete auf die endgültige Vernichtung des Gegners, zwang Witbooi allerdings, einen so genannten Schutzvertrag abzuschließen, der den Namas auferlegte, wieder in ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet in Gibeon zurückzukehren, sich unter die Aufsicht einer deutschen Garnison zu stellen und der deutschen Schutztruppe Heerfolge zu leisten. Witbooi durfte Namahäuptling bleiben und erhielt obendrein eine Jahresrente von 2.000 Reichsmark. Für diese milde Behandlung erntete Leutwein viel Unverständnis, doch belehrte Witbooi selbst die Kritiker eines besseren, denn er hielt sich zehn Jahre lang an den Vertrag. Wie schwer ihm die Vertragstreue fiel, lässt er in einem Brief deutlich werden, den er im Oktober 1904 an zwei Namaführer richtete: :''„Wie ihr wisst, bin ich seit geraumer Zeit unter dem Gesetz, in dem Gesetz und hinter dem Gesetz gelaufen, und zwar wir alle mit aller Gehorsamkeit, doch in der Hoffnung und mit der Erwartung, dass Gott der Vater […] uns erlösen würde aus dieser zeitlichen Mühsal. Soweit habe ich in Frieden und mit Geduld ertragen, und alles, was auf mein Herz drückte, habe ich an mir vorbeigehen lassen …“'' (Reeh, Ein Leben für die Freiheit). Zu diesem Zeitpunkt hatte Witbooi bereits den Schutzvertrag aufgekündigt. Wie er sich vertraglich verpflichtet hatte, beteiligten sich die Nama anfangs an der Niederschlagung der aufständischen Hereros. Geschockt durch das unmenschliche Vorgehen des Generalleutnants Lothar von Trotha von Trotha flohen die auf Seiten der Deutschen kämpfenden Nama und berichteten Witbooi von der tragischen Niederlage der Hereros. Gleichzeitig gelangten die Nama unter den Einfluss eines pseudoreligiösen Fanatikers, der durch das Namaland zog und verkündete, dass Gott dem Volk jetzt den endgültigen Sieg verheißen würde. Beide Ereignisse heizten die Stimmung gegen die Deutschen in einem Maße an, dass Witbooi quasi gezwungen wurde, sein Volk in den Kampf gegen die deutschen Truppen zu führen, zumal sein ehemaliger Vertragspartner Leutwein nicht mehr Befehlshaber war. Gegenüber von Trotha fühlte sich Witbooi nicht mehr verpflichtet. In einem Brief vom 3. Oktober 1904 an den Bezirkshauptmann von Burgsdorff kündigte er den Schutzvertrag auf, und am gleichen Tage begannen die Angriffe sowohl gegen die deutsche Truppe als auch gegen die deutsche Zivilbevölkerung. Dies war jedoch nicht mehr Witboois Kampf, denn mit über 70 Jahren war er alt und müde geworden, und so übergab er bald nach Ausbruch der Kämpfe seinem Sohn Isaak die Führung. Allerdings beteiligte er sich weiter an den Gefechten und beriet seinen Sohn in taktischen Fragen. Die Nama wandten wieder ihre altbewährte Guerillataktik an und waren so schwer zu stellen. Sie operierten zeitweise von dem unwegsamen Gelände der Karasberge im Süden des Landes aus. Dort wurden sie auch am 29. Oktober 1905 in Kämpfe mit den deutschen Truppen verwickelt, wobei Witbooi durch eine Gewehrkugel am Oberschenkel getroffen wurde. Die Wunde konnte nicht gestillt werden, und Witbooi verblutete am gleichen Tage. Vier Monate später ergab sich sein Sohn Isaak und die Nama wurde wie die Hereros in Internierungslager gebracht. Nach der Unabhängigkeit Namibias 1989 wurde Witbooi zum Nationalhelden des Landes ausgerufen. Seither ziert sein Bildnis alle namibischen Banknoten. Image:Billet namibien.jpg thumb|center|240px|10-Namibia-Dollar-Note

Literatur
*Günther Reeh: „Hendrik Witbooi - Ein Leben für die Freiheit“, Rüdiger Köppe Verlag, Köln, 2000, ISBN 3-89645-315-7 *Wolfgang Reinhard (Hg.): „Hendrik Wibooi: Afrika den Afrikanern“, Berlin, Bonn, 1982 *Martin Selber: „Hendrik Witbooi-Nidar- Freiheitskampf in Südwestafrika“. Rowohlt, 1979, ISBN 3-499-20215-8 *Otto von Weber: „Geschichte des Schutzgebietes Deutsch-Südwest-Afrika“, 2005, ISBN 3-933117-58-5 *{{PND|118634097}}

siehe auch
*Deutsch-Südwestafrika *Aufstand der Herero und Nama {{Personendaten| NAME=Witbooi, Hendrik |ALTERNATIVNAMEN= |KURZBESCHREIBUNG=Namibia namibischer Häuptling |GEBURTSDATUM= |GEBURTSORT= |STERBEDATUM=29. Oktober 1905 |STERBEORT= }} Kategorie:Mann Witbooi, Hendrik Kategorie:Deutsche Kolonialgeschichte Witbooi, Hendrik Kategorie:Namibier Witbooi, Hendrik Kategorie:Gestorben 1905 Witbooi, Hendrik Kategorie:Geschichte (Namibia) Witbooi, Hendrik Kategorie:Herrscher (Südliches Afrika) en:Hendrik Witbooi (Namaqua chief) fr:Hendrik Witbooi nl:Hendrik Witbooi

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